Frankreich und Großbritannien wollen stärker gegen Schleuser vorgehen

Frankreich und Großbritannien wollen stärker gegen Schleuser vorgehen

  1. November 2021, 8:57 Uhr, Aktualisiert am 25. November 2021, 10:48 Uhr, Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, cth

Flüchtlinge im Ärmelkanal

Der Tod von fast 30 Flüchtlingen im Ärmelkanal sorgt für Spannungen zwischen Großbritannien und Frankreich. Ein mutmaßlicher Schleuser soll aus Deutschland gekommen sein.

Großbritannien und Frankreich weisen sich nach dem Tod von mindestens 27 Menschen im Ärmelkanal gegenseitig die Schuld zu. Der britische Premierminister Boris Johnson forderte schärfere Kontrollen von Frankreich. Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus, um Migranten von der gefährlichen Überfahrt abzuhalten, sagte er. Die Bürgermeisterin der französischen Küstenstadt Calais, Natacha Bouchart, warf Johnson im Gegenzug Feigheit vor. Der Premier übernehme keine Verantwortung.

Gemeinsam mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron beriet Johnson über weitere Schritte. Nach einem Telefonat teilte die britische Seite mit, beide Länder hätten sich auf verstärkte Anstrengungen verständigt, Schleuserbanden zu stoppen. Auch die Zusammenarbeit mit Belgien, den Niederlanden, Deutschland und anderen Partnern sei dabei wichtig.

Am Mittwoch war ein Boot mit 33 Migranten, die illegal nach Großbritannien übersetzen wollten, im Ärmelkanal gekentert. Dabei starben nach französischen Angaben mindestens 27 Menschen, darunter fünf Frauen und ein Mädchen. Zwei Menschen sollen sich in kritischem Zustand im Krankenhaus befinden. Sie litten an schwerer Unterkühlung, hieß es.  Die Besatzung eines französischen Marineschiffs hatte die Leichen im Wasser entdeckt und einige Tote und Verletzte geborgen. Drei Patrouillenboote und Hubschrauber suchten das Gebiet ab.

Fünf mutmaßliche Schleuser wurden festgenommen, einer davon soll aus Deutschland gekommen sein. “Der Schleuser, den wir heute Nacht festgenommen haben, hatte deutsche Kennzeichen”, sagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin dem Fernsehsender RTL. Er soll dort auch die Schlauchboote gekauft haben. Es gebe kriminelle Vereinigungen in Belgien, Deutschland und England, sagte der Minister. Er forderte, dass die Länder in dieser Frage zusammenarbeiteten.

“Dies zeigt, dass die Banden, die Menschen in diesen gefährlichen Gefährten aufs Meer schicken, sich von nichts stoppen lassen”, sagte Johnson. Er bot an, die französischen Beamten bei den Kontrollen am Kanal zu unterstützen. Wenn den Schleusern nicht deutlich gemacht werde, dass ihr Geschäftsmodell nicht mehr funktioniere, würden sie weiterhin die Leben von Menschen aufs Spiel setzen und “mit Mord davonkommen”, sagte Johnson.

Die britische Regierung sei entschlossen, das Geschäftsmodell der Menschenschmuggler zu zerstören, sagte Innenstaatssekretär Kevin Foster der BBC. Dazu sei ein gemeinsamer europäischer Ansatz nötig. “Wir sind bereit, Unterstützung auf dem Boden zu bieten. Wir sind bereit, Ressourcen zu bieten. Wir sind bereit, Personal zu schicken und den französischen Behörden zu helfen”, sagte Foster.

“Geist der Kooperation”

Macron verwies auf die gemeinsamen Anstrengungen mit Großbritannien. Seit Jahresbeginn seien an der französischen Küste bereits 1.552 Schleuser festgenommen und 44 Netzwerke zerschlagen worden. “Wenn wir nicht sofort unsere Anstrengungen verstärken, werden sich weitere Tragödien wiederholen”, sagte Macron. Er hoffe, dass die Briten zur Zusammenarbeit bereit seien und das Flüchtlingsdrama nicht zu politischen Zwecken instrumentalisierten.

Es müsse in einem Geist der Kooperation und unter Achtung der Menschenwürde gehandelt werden, sagte Macron und forderte eine Dringlichkeitssitzung der EU-Migrationsminister. Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex müsse umgehend verstärkt werden. “Frankreich wird nicht zulassen, dass sich der Ärmelkanal in einen Friedhof verwandelt”, hieß es in einer Erklärung Macrons.

In diesem Jahr haben bereits mehr als 25.700 Menschen illegal den Ärmelkanal überquert. Das sind mehr als dreimal so viele wie im gesamten Jahr 2020. Erst im Juli hatten London und Paris ein neues Kooperationsabkommen vereinbart. London sagte dabei 62,7 Millionen Euro zu, um die französischen Behörden zu unterstützen.

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