Frankreich zieht Sperrstunde vor

Frankreich zieht Sperrstunde vor

Aus Tagesschau.de vom 14.01.2021 20:46 Uhr mit Informationen von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Frankreich verschärft seine Ausgangssperre: Ab heute, Samstag, den 16.1.2021 dürfen die Menschen nur noch bis 18 Uhr das Haus verlassen. Die Maßnahme soll vorerst für zwei Wochen gelten. Vor allem die Angst vor der Virusmutation treibt die Behörden um.

Frankreich verschärft die Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie: Die tägliche Ausgangssperre werde von Samstag an ab 18 Uhr statt wie bislang ab 20 Uhr auf dem gesamten Festland gelten, kündigte Ministerpräsident Jean Castex an. “Es ist nicht möglich, das Haus aus persönlichen Gründen zu verlassen”, sagte Castex. Auch Geschäfte sollen demnach ab 18 Uhr schließen.

Um einen neuen, strengen Lockdown zu verhindern, werde diese Maßnahme vorsorglich für mindestens zwei Wochen auf das ganze Land ausgedehnt. Castex stellte klar, dass Schulen und Kindergärten weiterhin geöffnet bleiben. Gleichzeitig sollen pro Woche 300.000 Coronatests für Schüler und Lehrer reserviert werden, um mögliche Infektionsketten frühzeitig zu erkennen.

Testpflicht bei Einreise

Zuvor war das ursprünglich von 20 Uhr bis 6 Uhr geltende Ausgehverbot bereits in einzelnen besonders betroffenen Départements vorverlegt worden. Den Menschen ist es während dieser Zeit nicht mehr gestattet, an der frischen Luft spazieren zu gehen, Sport zu machen oder einzukaufen. Sie dürfen aber zum Beispiel weiterhin zur Arbeit fahren oder wegen zwingender familiärer Gründe das Haus verlassen.

Sorgen bereitet den Gesundheitsbehörden die zuerst in Großbritannien nachgewiesene, ansteckendere Variante des Virus. “Wir müssen alles tun, um zu verhindern, dass diese Variante sich in Frankreich ausbreitet”, sagte Gesundheitsminister Olivier Veran. Im Moment sei sie für ein Prozent der Fälle verantwortlich. Derzeit gebe es täglich etwa 200 bis 300 neue Fälle der britischen Variante.

Wegen der neuen Coronavirus-Varianten sollen auch die Grenzkontrollen verschärft werden. Anders als bisher gelten für Reisende aus Ländern außerhalb der EU nun eine generelle Testpflicht bei Einreise und eine siebentägige Quarantäne.

2,8 Millionen Menschen infiziert

Die Situation habe sich in den letzten Tagen stabilisiert, bleibe aber besorgniserregend, sagte Castex. Im Schnitt gebe es etwa 16.000 nachgewiesene Fälle am Tag. Keines der französischen Départements liege derzeit unter der Zielmarke von einem Schnitt von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Die Pandemie hat Frankreich mit seinen rund 67 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern schwer getroffen. Mehr als 2,8 Millionen Menschen infizierten sich mit dem Coronavirus, etwa 69.000 starben im Zusammenhang mit einer Infektion.

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