Corona-Beschlüsse: Verwirrung um Inzidenzwerte

Corona-Beschlüsse: Verwirrung um Inzidenzwerte

Aus der Goslarschen Zeitung, von Oliver Stade, Freitag, 05.03.2021

Goslar/Hannover. Kritik aus dem Harz an den Lockerungs-Regeln aus Hannover: Eigentlich sollte es eine Art Zugeständnis sein, um die unter den Corona-Beschränkungen ächzende Bevölkerung aufzumuntern: Doch die aktuellen Richtlinien rufen mehr Verwirrung und Ärger als Zustimmung hervor, auch aus dem Harz kommen mahnende Worte.

Hauptkritikpunkt ist der Inzidenzwert, der die Infektionsentwicklung spiegelt und von dem abhängt, wann Lockerungen in Kraft treten, welche Geschäfte öffnen dürfen und ob Museen mit oder ohne Anmeldung besucht werden können. Zwischen Hinweisen zu wechselnden Inzidenzwerten, Sieben-Tage-Regelungen, „Wischiwaschi-Sätzen“ und Pull-Effekten vermisst Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk (CDU) klare Angaben.

“Schwierige Situation” für Handel

Der Rathauschef spricht sich dafür aus, dass sich die Regelungen an den regionalen Inzidenzwerten orientieren. Im ungünstigsten Fall könnte das auch bedeuten, „dass alle zurückgehen müssen“, erklärt Junk mit Blick darauf, dass sich die Situation in einer Region verschlechtert und dann Einschnitte greifen, die anderswo nicht gelten.

Landrat Thomas Brych zeigt sich ebenfalls unzufrieden, er sagt: „Bislang wurde leider nicht deutlich genug herausgearbeitet, welcher Inzidenzwert für die angekündigten Öffnungsschritte maßgeblich ist.“ Offen sei, ob die Werte eines Bundeslandes oder eines Landkreises über die Lockerungen entscheiden.

Brych berichtet von vielen Anfragen vor allem aus dem Einzelhandel. Die Betriebe wollen wissen, ob bei niedrigen Inzidenzwerten in einem Landkreis „nicht schon früher geöffnet werden kann“. Derzeit ist die Situation unübersichtlich: „Bislang haben wir die Aussage erhalten, dass solche Optionen geprüft werden.“ Für den Landkreis bedeute dies, dass er abwarten müsse. Für den Handel und andere Branchen sei das „eine schwierige Situation“.

Gute Voraussetzungen für Lockerungen

Dabei böten sich im Landkreis Goslar gute Voraussetzungen für Lockerungen, Freitag, 5.3.2021 meldete die Kreisverwaltung einen Inzidenzwert von 23,6, (Samstag, 6.3.2021 ebenso 23,6) während er landesweit bei 64,2 lag. Aus der Staatskanzlei in Hannover hieß es am Donnerstag, die Regeln würden „erst mal für das Bundesland“ gelten. Zunächst sollten bei niedrigen Inzidenzwerten unter dem Landesdurchschnitt „keine Öffnungen möglich sein“.

Oliver Junk befürchtet indes, dass Kunden nach Sachsen-Anhalt zum Einkaufen fahren, während der heimische Einzelhandel leide. Deswegen appelliert er, „die Themen auf die regionale Ebene runterzubrechen“. Schließlich müsse auch „regional“ gegengesteuert werden, wenn die Inzidenzwerte steigen.

Landrat Brych sagt: „Ich hätte mir gewünscht, dass klarere und verständlichere Regeln gefasst worden wären.“ Stattdessen müssten sich die Menschen durch „komplizierte Verordnungen quälen“.

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