Frankreich verhängt nächtliche Ausgangssperren in Städten

Der Spiegel, 14.10.2020, 20.50 Uhr

Die Corona-Zahlen in Frankreich stiegen zuletzt auf Höchstwerte. Um die “besorgniserregende” Situation unter Kontrolle zu behalten, kündigte Staatspräsident Emmanuel Macron neue Restriktionen an.

Die französische Regierung hat wegen der steigenden Corona-Fallzahlen den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das teilte sie nach einer Kabinettsitzung mit. Die Pandemie sei eine gesundheitliche Katastrophe, die aufgrund ihrer Art und Schwere die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet, hieß es.

In einem Fernsehinterview kündigte Staatspräsident Emmanuel Macron zudem an, dass ab Samstag nächtliche Ausgangssperren für die Hauptstadt Paris und zahlreiche weitere Großstädte im Land gelten. Zwischen 21 Uhr und 6 Uhr sind demnach Besuche von unter anderem Kinos, Restaurants und Theater untersagt. Die Maßnahme beschränkt sich auf die Metropolen Grenoble, Lille, Rouen, Lyon, Aix-Marseille, Saint-Étienne, Toulouse und Montpellier. Über eine solche Maßnahme war im Voraus spekuliert worden.

Situation “besorgniserregend”

Macron kündigte an, dass es Kontrollen und Strafen geben werde. Das Ziel der Maßnahme sei es, das Wirtschaftsleben weiter am Leben zu halten. Hilfen für die Unternehmen würden fortgeführt. “Wir werden weiter arbeiten”, sagte Macron. “Wir haben die Kontrolle nicht verloren”, die Situation sei jedoch “besorgniserregend”.

Quelle: CSSE/Johns Hopkins University, Frankreich: unsichere Datenlage

Die Corona-Zahlen im Land steigen seit Wochen dramatisch. Frankreich mit seinen rund 67 Millionen Einwohnern hatte am Wochenende fast 27.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet, mehr als jemals zuvor. In zahlreichen französischen Metropolen, darunter Paris und Lyon, gilt die höchste Corona-Warnstufe. Bars sind bereits geschlossen, in Restaurants gelten strengere Hygienemaßnahmen. Expertinnen und Experten machen vor allem private Feiern und Partys für die Verbreitung des Virus verantwortlich.

Paris bereitet große Sorge

Besonders die Situation in Paris bereitet den Experten große Sorge. Dort steigt die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen immer weiter an. Der Generaldirektor der Krankenhäuser der Hauptstadt, Martin Hirsch, hatte bereits vor der Ankündigung der Regierung gewarnt, dass bis Ende Oktober bis zu tausend Patienten auf den Intensivstationen der 39 Pariser Kliniken liegen könnten; das entspräche 90 Prozent ihrer normalen Kapazität.

Bereits im Frühjahr hatte Frankreich in der Coronakrise sehr strenge Ausgangsbeschränkungen verhängt. Die Menschen durften nur mit einem Formular vor die Tür, die Zeit an der frischen Luft und auch der Bewegungsradius waren begrenzt. In einigen Orten gab es in diesem Zusammenhang nächtliche Ausgangssperren.

hba/dpa/AFP

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