Impfstatus für ältere Franzosen nur noch mit Booster

Impfstatus für ältere Franzosen nur noch mit Booster

von Niklas Záboji, Wirtschaftskorrespondent in Paris in Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9.11.2021 um 21:53 Uhr

Frankreichs Präsident Macron erhöht den Druck auf die ältere Generation, sich abermals impfen zu lassen – und bekräftigt die Renaissance der Atomkraft. Die geplante Rentenreform sagt er ab.

Über 65-Jährige, die in Frankreich ihren Corona-Impfstatus behalten wollen, müssen von Mitte Dezember an eine Auffrischungsdosis vorweisen. Diese Pflicht zum „Boostern“ kündigte Präsident Emmanuel Macron am Dienstagabend in einer Fernsehansprache an, seiner nunmehr neunten seit Beginn der Pandemie. Ohne Impfstatus ist der Zutritt in öffentliche Einrichtungen wie Restaurants, Theater und Fernzüge in Frankreich nur mit Genesungsnachweis oder kostenpflichtigem Test möglich. Kontrolliert werden die 3-G-Regeln seit diesem Sommer mittels Gesundheitspass, dem sogenannten „Pass Sanitaire“.

„Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, mahnte Macron, und verwies auch auf die steigenden Infektionszahlen in Deutschland und Großbritannien. Die fünfte Welle habe Fahrt aufgenommen. Einen abermaligen Lockdown schloss der Präsident zwar aus. Doch er kündigte an, dass die Kontrollen zur Einhaltung der 3-G-Regeln verstärkt werden. Auch werde die Maskenpflicht in den Schulen „vorerst“ beibehalten. Von den Franzosen forderte er weiter „größte Wachsamkeit“ im Umgang mit dem Coronavirus. „Lassen Sie sich impfen, um normal leben zu können“, sagte Macron. Frei zu sein, bedeute in Frankreich auch, verantwortlich und solidarisch zu handeln. Stand jetzt haben knapp 3,6 Millionen Franzosen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Dazu berechtigt sind mit 7,7 Millionen mehr als doppelt so viele, darunter neben über 65-Jährigen auch Pfleger und Ärzte. Wie Macron am Dienstag weiter sagte, soll dieser Kreis schon bald deutlich erweitert werden. So soll es von Dezember an auch für die 50- bis 64-Jährigen eine Möglichkeit zum „Boostern“ geben. Zudem kündigte Frankreichs Präsident an, dass zum Jahresende mit den ersten wirklich wirksamen Behandlungen gegen schwere Formen einer Corona-Erkrankung zu rechnen sei. Das sei „eine neue Waffe“ zur Bekämpfung der Pandemie – auch dank Forschung französischer Wissenschaftler.

„Die Voraussetzungen sind nicht erfüllt“

Macron nutzte seine Fernsehansprache knapp fünf Monate vor der Präsidentenwahl zugleich dafür, die schon seit Wochen diskutierte Renaissance der Atomkraft zu bekräftigen. Es werde in neue Kernkraftwerke investiert, betonte er – den „ersten seit Jahrzehnten“. Er ließ allerdings offen, ob es sich dabei nur um die schon bekannt gegebene Förderung modularer Minireaktoren handelt oder auch um konventionelle Kernkraftwerke; spekuliert wird über den Bau einer Reihe neuer Druckwasserreaktoren, von denen es bislang nur einen gibt, dessen Fertigstellung 2023 in der Normandie geplant ist. In Verbindung mit Investitionen in die erneuerbaren Energien sei der Ausbau der Atomkraft Frankreichs Antwort auf den Klimawandel, so Macron. Das garantiere nicht zuletzt Frankreichs Unabhängigkeit.

Auch zu der Diskussion um eine Reform des französischen Rentensystems äußerte sich Macron. Zuletzt hatte es Anzeichen gegeben, dass damit doch noch bis Ende seiner Amtszeit im kommenden Frühjahr zu rechnen sein könnte. Das schloss der französische Präsident nun aus. „Die Voraussetzungen sind nicht erfüllt“, betonte Macron. Für die Zeit nach der Wahl solle die Rentenreform aber auf der Agenda stehen – und es sei klar, dass das Eintrittsalter steigen müsse, die Franzosen in Zukunft also länger arbeiten müssten. Die geplante Reform soll das System vereinfachen und gerechter machen, war aber wegen Protesten verschoben worden.

Statt einer Rentenreform will Macron nun aber die Arbeitslosenversicherung reformieren. Von Anfang Dezember an müsse mindestens sechs Monate gearbeitet haben, wer die Leistung beziehen will. Bislang gibt es sie schon nach vier Monaten. Zudem werde Arbeitssuchenden, die keine aktive Jobsuche nachweisen, ihr Zuschuss ausgesetzt. Macron hob die zuletzt gute wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich hervor – jüngste Prognosen sehen fast sieben Prozent Wachstum in diesem Jahr vor –, sagte aber zugleich, dass es weiter großer Anstrengungen bedürfe, auch am Arbeitsmarkt. Nicht sieben Prozent Arbeitslosigkeit sei das Ziel, so Macron, sondern Vollbeschäftigung.

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